Der Mensch unter den Haaren

Eine ganz neue Form der Kommunikation und ein trip "to a place called London town"

Meine geschätzten Freund*e

Wie Ihr seht, bin ich jetzt stolzer Inhaber eines BLOGS! Yeah! Ich muss ehrlich gestehen, dass ich sehr erstaunt bin, dass ich diesen schon so gut kontrollieren kann, dass ich den ersten Eintrag verfassen kann. (Jede*r der das jetzt nicht bewundert ist noch nie mit meiner Abneigung technischer Errungenschaften konfrontiert gewesen).

Aber anstatt dass ich jetzt hier lange meine technische Unfähigkeit ausführe, erzähle ich lieber wozu ich diesen Blog verwenden möchte:

Mir fällt immer wieder auf, dass ich auf meinen bisherig ausschliesslich verwendeten Kanälen wie Instagram oder hier auf der Website seeehr lange Texte schreiben möchte um Euch an meinem Leben und Streben Anteil haben zu lassen, jedoch sind diese einfach nicht sonderbar gut dafür geeignet. Aus diesem Grund verfasse ich ab jetzt gelegentlich derartige Blogeinträge, wie Ihr ihn gerade lest... Vielleicht liest ihn auch niemand... Auch egal...

 

Jetzt aber möchte ich endlich mit dem richtigen ersten Eintrag beginnen (ist ja auch erst der dritte Anfang in diesem Eintrag)...

Wie wohl die meisten mitbekommen haben, habe ich nach der vierten Ausgabe von HAIR HUBERS ENTHAUPTUNGEN einen vorübergehenden Ruhestand eingelegt. Nun, er ist eher als UN-Ruhestand zu bezeichnen, da sehr viel darin passiert ist... Aber nun von Anfang (Nummer vier) an:

Der Vorhang schloss sich am 06.12.19 im Jessys in Altnau. Ein schwerer, denn er bedeutete für mich das was ich am schlechtesten kann: nichts tun. Nun, mein selbst-ausgerufener Ruhestand sollte bis im März andauern. Dabei habe ich mir sämtliche kreativen Tätigkeiten, sämtliche Theaterliteratur, sämtliche Kostüme und vor allem den Alkohol und den Tabak verboten. Man fragt sich jetzt vielleicht wieso ich so etwas getan habe. Ganz einfach aus dem Grund, dass es NÖTIG war. Ich bin seit vier Jahren nahezu ununterbrochen an diversen Projekten und Werken am arbeiten und erschaffen. Ausserdem habe ich im Rahmen der Enthauptungen sehr viel getrunken und geraucht, das gehört eigentlich nur zu meinen Gelegenheitslastern und nicht zur Normalität. Ich spürte, dass sich, insbesondere nach der Saison mit den Enthauptungen eine Erschöpfung und Müdigkeit ausbreitete. Also wollte ich einfach einmal wie andere Leute die Adventszeit hassen (und keine satirischen Texte darüber schreiben) und den Silvester verachten, den Winter überfrieren und Unmengen an Punsch konsumieren. Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass nicht von Beginn an klar war, dass es nicht klappen wird; ich hasse Punsch.

Einige Wochen davor habe ich begonnen ein Stück zu schreiben und etwas weniger Wochen davor (auch von vor dem Dezember) ein zweites. Es begann damit, dass ich von Ideen geflutet wurde. Aber ich redete mir stur ein, dass ich das durchhalte, im März ist ja schliesslich noch genug Zeit für alles mögliche. Zunehmend begannen die Texte mich aus dem Schlaf zu reissen. Wehrlos war ich, ja ganz und gar wehrlos. Doch ich blieb weiter stur. Als nächstes bemerkte ich, sobald ich mit jemandem sprach,  Charakterzüge, insbesondere des einen Charakters. Unaufhörlich. Als ich dann aus reinem Zufall ein Kostüm für den eben angetönten Charakter fand, MUSSTE ich das Stück einfach vollenden. Immerhin habe ich es eine Woche ohne Kunst ausgehalten. Als dieses Stück fertig war, kam mir das zweite wieder in den Sinn. Ich konnte jetzt natürlich nicht einfach so aufhören. Zumindest in die digitale Form übertragen (ich schreibe meine Stücke immer von Hand und kämpfe mich erst später mit dem Computer ab). Ich habe es, wohlbemerkt, nicht gelesen bevor ich es übertragen habe. Doch als ich dabei war, war ich erstaunt! Es hatte keinerlei Zusammenhang oder Sinn, war aber dennoch, oder gerade deshalb das wohl persönlichste und eigenartig-beste Stück welches ich jemals erschuf.

Nachdem ich mich von diesem positiven Schock der eigenen Schaffenskraft erholt hatte, wollte ich nun endlich meinen Ruhestand antreten. Das gelang mir über die Feiertage nicht schlecht. Einzig der Besuch vom Musical "The Book of Mormon" widersprach meinen Grundsätzen. Verantwortbar. Besonders wenn der Umstand, dass es äusserst unterhaltsam war berücksichtigt wird. Dann begannen aber wieder Ideen sich aufzudrängen! Um es zu konkretisieren, es wird im Herbst zwei Premieren von Stücken geben (nicht die, die ich im Dezember geschrieben habe). Plötzlich schossen Ideen und Gedankenblitze ein zu Bühnen- und Kostümbild. Nun, es ist wohl kaum erstaunlich, dass ich auch diesen nicht widerstanden habe. Wie könnte ich auch. Also habe ich widerwillig beide Stücke geplant und die Kostüm- sowie die Bühnenskizzen gezeichnet und Modelle gebaut. Danach habe ich die nächste Enthauptung organisiert (findet am 25.04.20 statt!) und den Gast eingeladen (es wird absolut grossartig:-)). Ein sehr grosses Bild gemalt und mich mit diversen Stücken und Opern auseinandergesetzt...

Aber HALT! Eigentlich wollte ich das ja gar nicht! Ich war wohl selten derartig produktiv... Also entschloss ich mich, meinen besten Freund in England zu besuchen und in London etwas Abstand zu gewinnen und mich mit allem anderen als Theater, Musik und Kunst auseinanderzusetzen (ich muss gestehen, ich wusste selbst wie unsinnig dieses Vorhaben in einer Stadt wie London war, aber ich kann mich ziemlich gut von Unsinn überzeugen...).

Einige Tage später sass ich im Flugzeug ab Basel nach London. Seid Ihr schon einmal mit "British Airways" geflogen? Im Instruktionsvideo kommen Komödianten aus Grossbritannien vor! Ich wäre vor Heiterkeit aufgesprungen, wenn ich mich nicht angsterfüllt an meinen Sitz hätte krallen müssen. Aber schon hier wurde mir der erste Strich durch die Rechnung gemacht, denn mir kamen, nebst den Darstellern im Video, wieder einmal all diese schönen Filme wie "Cast Away" oder " Madagascar" (könnt Ihr Euch an die Szene im abgestürzten Flugzeug erinnern? DIE!)… Aber ich war davon überzeugt, dass ich es sobald ich dort bin schaffe an nichts dramatisches zu denken... In Heathrow gelandet sah ich eine wunderschöne Frau ("Bodyguard" spielte sich ein), doch ich ging zielstrebig zur Passkontrolle. Uh, dieser Beamte welcher meine Identitätskarte durchleuchtete fragte mich Dinge! Was ich vorhabe (ich wusste es doch selbst nicht so genau), in welches Hotel ich gehen werde (wusste ich auch nicht), woher ich käme (das war die einzige Frage die ich beantworten konnte:-)) und noch ganz andere. ICH WAR NERVÖS! Ein Zustand welcher mir nur selten zuteil wird. Dass dieser glatzköpfige Herr mich durchwegs eindringlich mit meinem Vornamen ansprach, machte es nicht besser. Plötzlich kam mir die Dame am Computer von "Little Britain" (kennt ihr hoffentlich, ist eine sehr lustige Sache!) in den Sinn, welche gelangweilt und monoton sagt "Computer says no". Ich konnte mich nicht mehr halten und musste lachen (Klugschiss: nennt man in der Psychologie Parathymes Lachen). Fand er nicht lustig. Gar nicht. Als er den Ausweis etwas in meine Richtung hielt nahm ich ihn und trat die Flucht an. Er riet mir noch eindringlich, dass ich nie mehr kommen soll ohne zu wissen in welchem Hotel ich wohnen werde. Ich wünschte ihm einen schönen Tag und rannte. Ich spreche miserabel Englisch, müsst ihr wissen. Es fiel mir erst im Nachhinein wieder einmal auf. Sonst liebe ich Beamte, da ich dann immer humorvolle Bemerkungen machen kann, welche nahe an der Grenze zur Respektlosigkeit sind, aber noch unverfänglich. Hier war das nicht möglich. Schrecklich! Aber ich begab mich trotzdem auf die Suche nach einem der berühmten Schilder auf welchem das Wort UNDERGROUND auf rot-blauem Hintergrund thront. Ich habe es auch bald gefunden... Einige Zeit später stand ich in einem günstigen Hotel. SEHR GÜNSTIG (aber mitten in Soho und einen Katzensprung vom Piccadilly Circus entfernt). Es sah auch genau so billig aus wie es war. Ich stieg knarrende Stufen hinauf und wurde von urzeitlichen Plastikblumen und zerrissenen Vorhängen empfangen. Der durchtretene Teppicboden mit unzählbaren Löchern erinnerte mich an Horvaths "Zur schönen Aussicht" (ein Stück das in einem heruntergekommenen Hotel spielt und etwas sehr unbehagliches, wenn nicht gar gespenstisches hat).  Ich fand mein Zimmer, 32 (Room 237 hätte wohl besser gepasst). Die Tür sah aus, als sei sie schon mehrfach aufgebrochen worden (ohne Scherz!) und der Boden war derart krumm, dass die verkehrt aufgehängte und von Fliegenkot dekorierte Stofflampe aus den 70ern in der Mitte des Zimmers gute 10cm höher hing. Bei einem Zimmer, das eher einer Besenkammer glich, ist das schon ziemlich erstaunlich. Dazu kam, dass die (zu langen und nur stellenweise hängenden) Vorhänge und (schlecht tapezierten) Wände diverse Flecken und Risse aufwiesen. Weder Blut noch andere aus dem Tatort und dem Spätprogramm bekannte (Körper-) Flüssigkeiten meiner Vorgänger*innen waren auszuschliessen. Immerhin hatte ich einen Ausblick in den Hinterhof des "British Museum".

Am Abend sass ich bereits im TINA Musical über Tina Turner (welches sich mir schon lange hatte ansehen wollen, da ich ein sehr grosser Verehrer Tina Turners bin und die Entstehung des Musicals aus der Ferne verfolgte). Ja, meine Grundsätze keine Kunst zu konsumieren waren schon wieder verletzt... Aber das störte mich minder als, dass die Leute im Saal assen. Wie schrecklich! Laut kauend blickten sie auf die sehr treffend imitierte Perücke und die Glitzerkleider.

Am nächsten Tag entschloss ich mich, nicht noch einmal den Fehler zu machen, eine günstige Preiskategorie zu kaufen. Nie wieder! Am nächsten Tag war ich in Oxford, genauer in "Christ Church" (ein Teil der Universität, welcher einer der ältesten ist und architektonisch sehr spannend ist. Ausserdem wurde in diesen Gebäuden Harry Potter gedreht) und traf dort meinen besten Freund, welcher sich etwas weiter in die Richtung der westlichen Küste aufhielt. Gemeinsam besichtigten wir die Drehorte von Harry Potter. Ich war mit jeweils zwei Socken an den Füssen unterwegs, da ich mir am Vortag in "Camden" Schuhe gekauft habe, welche, Ihr entschuldigt meinen vulgären Ausdruck, affengeil sind. Jedoch bereits nach einem kurzen Spaziergang zum Piccadilly Circus mich mit einer Blase für ihr Aussehen straften. Aber sie waren es wert (dieser Teil des Textes ist nicht wichtig, musste ich jedoch zum Ausdruck bringen)! Am nächsten Tag besuchte ich den Buckigham Palace. Kaum mehr als ein grauer Klotz. Aber irgendwie dennoch spannend, zu sehen wo noch richtiges Monarchentum herrscht. Danach war ich noch an der Abbey Road (dem Beatles Zebrastreifen). Am Abend habe ich, auf die Empfehlung einer Kollegin hin das EVERYBOY'S TALKING ABOUT JAMIE Musical besucht. Mit einem Platz in der besten Kategorie(!). Bedeutend besser!

Am Tag drauf war ich noch auf der Towerbridge und habe "Londonbridge is falling down" auf der Namensstiftenden Brücke gesungen. Es war sehr spannend, dass ein solches Lied über die Brücke, die zum Bankenviertel führt existiert. Es zeugt von dem wundervollen englischen Humor. Ausserdem trifft es absolut meinen Geschmack...

Am Abend habe ich mir THE PHANTOM OF THE OPERA angesehen. An diesem Abend beschloss ich meinen Ruhestand nun offiziell zu beenden und feierte dies mit einem englischen Bier (die Abstinenz war wohl der einzige Vorsatz, welchen ich, immerhin eineinhalb Monate, wirklich durchgezogen habe) in einem Pub. Am Folgetag bin ich in helvetische Gefilde zurückgekehrt. Es war eine grossartige Zeit in London. Es ist sehr schwer, das Gefühl dieser Stadt zu beschreiben. Auf jeden Fall fühlte ich mich sehr wohl dort und merkte als erstes als ich zurück in der Schweiz war, dass die Leute mich wieder anschauen, als sei ich ein Monster in bunten Kleidern.

Zwei Tage später habe ich mir das SWEENEY TODD Musical angesehen. Es war zwar sehr unterhaltsam, vor allem durch den Umstand, dass ich einige Tage zuvor selbst an der Fleetstreet war. Aber mir wurde klar, dass ich ganz und gar keine Lust mehr hatte auf Musicals. Genug ist genug.

In der nächsten Woche meldete ich mich zurück aus meinem UN-Ruhestand. Jetzt bin das am machen, was ich nie beendet habe: ich erschaffe und schreibe und übe Texte und organisiere. Eigentlich ist das einzige das sich geändert hat, dass ich jetzt Eigentümer eines Blogs bin.

 

Nun möchte ich diesen seeehr langen, ersten Eintrag beenden. Ich wünsche Euch eine gute Zeit und vergesst nicht gelegentlich die Ernsthaftigkeiten der Welt zu vergessen.

Mit herzlichem Gruss

Noah Joel Huber

 

PS: Bitte schreibt mir, ob Euch solche Einträge interessieren und was ihr gerne darin lesen möchtet. Ausserdem wenn ihr inhaltliche oder orthographische Fehler findet. Ich habe den Eintrag 'gschwind' zwischen zwei Terminen geschrieben... Daher sind Fehler durchaus möglich. Danke Euch für alle Eure Rückmeldungen!

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